مناور

Dec 1, 11:32 AM

Ich habe Nein gestimmt, erstens aus purem Liberalisums, und zweitens aus Eigennutz, weil das Ja ganz offensichtlich zuerst uns selber schadet.

Trotzdem kann ich mich nun über das Gejammer der der Verlierer ärgern.
“Abgesänge” auf die Schweiz, absehbare rhetorische Höhenflüge wie “quo vadis Schweiz”, “schäme mich für dieses Land”, usw. — wenn die Leute wenigstens konsequent wären und das einmal zu Grabe getragene ruhen liessen, aber offenbar freuen sie sich nach jeder Abstimmungsniederlage darauf, erneute Grabgesänge auf ihr Land anzustimmen.

Das “slippery slope” Argument ist immer verdächtig, und hier völlig fehl am Platz.
Wer sich fragt “und als nächstes brennen die Moscheen?” hat die Stärke unseres Systems nicht verstanden: Bei uns äussert sich der Volkszorn demokratisch, in kleinlichen Verfassungs-Revisionen. Bei uns verbietet man Minarette statt den Volkszorn köcheln zu lassen, bis zuletzt Nachtbuben Moscheen abfackeln.

Dann paradiert man muslimisch angehauchte Secondos (bzw. ṯānins), die Phrasen zum besten geben wie “Sängerin Emel”, die sich öffentlich fragt, “ob die humanitäre Tradition in der Schweiz passé ist”. Sie meint damit die liberale Tradition, aber “humanitäre Tradition” ist offenbar heute ein buzzword für allgemeines Schweiz-Bashing. Wenn die “humanitäre Tradition” der Schweiz von religiöser Diskriminierung bedroht würde, wäre diese Tradition bereits 1874 zu ende gegangen, als man den Jesuiten jegliche Beschäftigung in klerikaler oder erzieherischer Funktion untersagte, nur aufgrund ihrer Mitgliedschaft in einem religiösen Orden, und zwar derjenigen Konfession (der römisch-katholischen), der die Mehrheit der Schweizer angehörte.
Dieses Verbot, eine einschneidende Diskriminierung aufgrund religiöser Überzeugungen, galt bis 1973, d.h. während der gesamten goldenen alten Tage des Schweizer Bundesstaats.

Dann haben wir den omnipräsenten “Ex-Mister Schweiz, Arzt, 12-fachen Kickbox-Schweizermeister und Tausendasssa” Adel Abdel-Latif, der sich bemüssigt fühlt, von “Rassismus in seiner Reinstform” zu schwadronieren, offensichtlich unfähig, zwischen Konfession und Rasse zu unterscheiden. Rassismus klingt immer gut. Wieso nicht auch noch ein bisschen Nazi-Keule.

Man kann der Cervelat-Prominenz nicht übelnehmen, dass sie ihre Unbedarftheit zu Markte trägt. Verantwortlich ist die Journaille, die solchen Quatsch aus purem Frust über eine verlorene Abstimmung abdruckt. Die Minarettverbieter sind schlechte Globalisierungsverlierer. Die Minarettverbots-Jammerer und -Schämer sind schlechte Abstimmungsverlierer. Demokratie heisst auch verlieren können.

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