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Hermanns Chronik ist eine Hauptquelle für die Geschichte des mittleren 11. Jh. und gleichzeitig die Hauptquelle für seine eigene Biographie. Das Genre der Autobiographie ist zu dieser Zeit noch nicht erfunden (wenn wir von Caesar absehen, der seine Person als weltgeschichtliche Grösse versteht), aber Hermann fügt seine eigenen Lebensdaten ohne falsche Scheu unvermittelt ein zwischen Berichten der Taten von Kaisern und Päpsten. Man sieht darin vielleicht ein Bewusstsein, dass eine Chronik den Sinn hat, sich selber im grossen Rahmen der Weltgeschichte einzuordnen, und gezwungenermassen Ereignisse der näheren Umgebung (wie die Geschichte des eigenen Klosters Reichenau) in grösserer Detail-Auflösung erscheinen.
Neben seinen Lebensdaten verzeichnet er die Heirat seiner Eltern 1009, den Tod seines Grossvaters 1010, 1032 den Tod seiner Grossmutter, und 1052 den Tod seiner Mutter (und führt das Gedicht an, das auf ihre Grablatte eingeschrieben worden sei).
Ein Onkel seiner Mutter, Rudpert, war bereits vor ihm Mönch auf der Reichenau (1006). Seine Grossmutter väterlicherseits (Bertha 955, 973) war Enkelin einer Schwester des hl. Bischofs Udalricus (Ulrich) von Augsburg. Es ist auffallend, wie Hermann viel mehr an Verwandten interessiert ist, die eine geistliche Rolle spielen, als am weltlichen Adel seiner Familie.
Von seinen Brüdern erwähnt er die Grafen Wolfrad und Manegold und ausserdem den 8 Jahre jüngeren Werner, der auch Mönch auf der Reichenau wird und sich angesichts einer Nahrungsknappheit 1053 heimlich auf eine Pilgerreise begibt (nachträglich vom Abt abgesegnet).
Die grosse Leistung Hermanns in seiner Chronik besteht darin, dass er die schlecht überlieferte Zeit des 6. - 8. Jh. erstmals in den absoluten Rahmen der christlichen Jahreszählung stellt.
Die Diskussion von Hermanns Chronik bewegt sich vor dem Hintergrund der sog. Schwäbischen Weltchronik, ein nicht erhaltener Text, der als Vorlage nicht nur Hermanns Chronik diente, sondern auch für den Chronisten Wipo und verschiedene sanktgallische Annalen. Die naheliegendste Vermutung ist, dass diese verlorene Chronik nichts als eine frühere Version von Hermanns Text war, der vielleicht um 1040 in Zirkulation geriet.
Für die Zeit bis 901 können wir die Quellen der Chronik ziemlich genau identifizieren (Hieronymus bis 375, Annales Fuldenses ab 714). Ab dem 10. Jh. schöpft er teilweise aus sonst verlorenen Quellen und zunehmend auch aus mündlicher Überlieferung, und seine Gegenwart schildert er als ausgezeichnet informierter Mönch eines Klosters, das durch seinen aufgeschlossenen Abt direkten Anschluss ans politische Tagesgeschehen hat.
Im Zentrum der Chronik stehen die Abfolge und die Taten der Päpste und Kaiser. Die Päpste werden durchnumeriert, bis zu Leo IX. (1049) mit der Nummer 153. Bei den Kaisern kennt sie keine solche Kontinuität, sie endet mit Valentinian (364) mit der Nummer 38 nach Augustus. Für die karolingischen Herrscher hat die Kaiserwürde höchstens Stellenwert einer zusätzlichen Ehrung (die Krönung Karls ist gar nicht erwähnt). Hermann hat also keinen deutschen Reichs-Begriff indem er nicht wie bereits seine Zeitgenossen, und erst recht seine Nachfolger, von imperium spricht, sondern von regnum. Dieses deutsche regnum steht aber ganz im Mittelpunkt seines Interesses. Andere Länder und Reiche erscheinen im selbständigen Teil (ab 901) nur dann, wenn sie mit ihm in Verbindung treten. Byzanz wird fast völlig ignoriert. 1053 wird ausnahmsweise dem päpstlichen Heer Anteilnahme gewidmet, als es eine Niederlage gegen die Normannen einsteckt. Doch auch hier wird betont, dass auf der Seite des Papstes deutsche Ritter gekämpft haben. Hermann nimmt hier auch eindeutig gegen die Normannen Partei, und gerät so in theologische Erklärungsnot, wie die `unsrigen' (wie er die Theutonici bezeichnet) gegen einen moralisch derart unterlegenen Feind verlieren konnten.